Phantom Guitars, Eduard Tüske

Hallo, ich bin Eduard Tüske.

Eines der spannensten Dinge für mich ist, komplett neue Konzepte und Formen zu kreieren. Hinter der Freude an kreativer Gestaltung steht eine tiefe Begeisterung seit ich als Kind das erste mal einen Stift in die Hand nahm. Ich zeichnete, malte, handwerkelte und liebte Musik.

Der Anfang:
1976 fing ich zufällig den weißen Body von Ritchie Blackmores Stratocaster. Ich baute dafür meinen ersten Hals und hatte somit das Instrument vom damaligem Gitarrengott. So entwickelte sich eine Leidenschaft für den Gitarrenbau der bis heute anhält.

Heute:
Um höchste Qualität zu erreichen, fertige ich sämtliche Teile selbst. Angefangen bei Korpus, Hals, Griffbrett bis zu den Perlmuttinlays. Bei dem hohen handwerklichem Einsatz kommen daraus folgend nur Materialien allerersten Güte zum Einsatz. So entstehen aus rauhen Brettern einzigartige, perfekte Unikate, die hörsensible anspruchsvolle Musiker begeistert.

Um diese Perfektion zu erreichen waren viele kleine Veränderungen notwendig. Diese Experimente waren sehr wertvoll für mich um ein neues, ausgereiftes Konzept zu entwickeln. Das Ergebnis manifestiert sich nun in einem Instrument der mit großem, einzigartigem Ton überzeugt.

Eduard Tüske, Luthier

Interview von Amazona (19.04.2009) mit Eduard Tüske / Phantom Guitars & Basses

Mitte der 90er Jahre eröffnete Eduard Tüske in Köln seine kleine Edelschmiede namens Phantom Guitars & Basses. Schnell machte er sich bei Bassisten durch seine noblen Tieftoner beliebt, erhielt aber auch schon bald viel Aufmerksamkeit durch exklusive Versionen berühmter E-Gitarrenklassiker. In seinem Ein-Mann-Betrieb im Süden von Köln fertigt er seither Instrumente in liebevoller Handarbeit unter Verwendung hochwertigster Materialien. AMAZONA.de hatte nun die Gelegenheit, Eduard Tüske in seiner Werkstatt zu besuchen und einen Einblick in sein Schaffen und Werdegang zu bekommen.

Phantom Guitars Eingang

AMAZONA.de:
Hallo Ede! Erzähl doch den Lesern erst einmal, wie Du zum Gitarrenspielen gekommen bist und welche Musik Dich dazu gebracht hat!

Eduard Tüske:
Zur Gitarre kam ich, als ich 1975 die Stones live in Köln in der Sporthalle gesehen habe. Hat mich völlig umgehauen. Da war ich 16 Jahre alt. Kurz darauf entdeckte ich KISS und deren Gitarristen Ace Frehley. Die spielten Gibson Gitarren, und auf der Rückseite des Plattencovers stand: „KISS play Gibson guitars, because they want the best.” Ich dachte so in etwa: „Aha, die beste Band der Welt spielt Gibson, die Preise sind für mich völlig utopisch, dann soll meine aber wenigstens so aussehen (lacht).“

AMAZONA.de:
Und dann hast Du wohl das erste Mal zur Säge und zum Lötkolben gegriffen?

Eduard Tüske:
Genau, weil ich kein Geld für ne Ibanez, geschweige denn eine Fender Strat hatte, kaufte ich für 200 DM bei Hertie eine japanische No-Name Gitarre – die heute so genannte Hertiecaster. Eine Gitarre im Strat Design, Sunburst, mit vier Pickups… also besser als ne Fender, die hat ja nur drei (lacht)! So habe ich mit der Stichsäge meines Vaters aus einer Tischlerplatte die Form einer Flying V ausgeschnitten und den Body ausgetauscht, dazu ein Pickguard aus weißem Acryl. Mein Vater, ein sehr guter Handwerker, hat mir dabei viel geholfen. Die Lackierung, mit Spraydose, war schwarz-metallic. Ich war furchtbar stolz auf diese Gitarre.

Dann, im gleichen Jahr, 1976, passierte das Unglaubliche: Ebenfalls in der Kölner Sporthalle, im Sommer, traten Ritchie Blackmores Rainbow auf. Vor der Zugabe zerschlug der damals beste Gitarrist der Welt seine weiße Fender Strat auf der Bühne und der komplette Body, ohne Hals, den er leider weit ins Publikum warf, rutschte ausgerechnet mir (6000 Leute in der Halle) in die Arme.

AMAZONA.de:
Wie, was? Du hast eine Gitarre von Ritchie Blackmore?

Eduard Tüske:
Es war ein sehr harter Verteidigungskampf… weil ich ein eher schmaler Typ war, beziehungsweise bin. Am nächsten Tag war ich im Oberarm- und Brustbereich grün und gelb von dem An-Mich-Pressen dieses Bodys. Die bange Frage war jetzt: Funktioniert das Teil überhaupt noch? Angeschlossen an meinen Telefunken Receiver, über den ich damals Gitarre spielte, habe ich die Saiten mit einer Zange über die Pickups gespannt. Wow, ja, alles funktionierte, die Elektronik konnte selbst Blackmore nicht kaputtmachen.

AMAZONA.de:
Aber so konnte die Gitarre wohl nicht bleiben, oder?

Ede Tüske

Eduard Tüske:
Klar, jetzt musste natürlich irgendwie ein Hals für dieses Kleinod her. Bestimmt würde Blackmores Strat mein jämmerliches Gitarrenspiel beflügeln. Das war die eigentliche Initialzündung für meine Karriere als Gitarrenbauer. Einen Flying V Body zu schnitzen war recht simpel, aber ein Hals, das war sehr viel schwerer. Aus Ahorn, was schon mal richtig war, formte ich, ebenfalls mit Hilfe des Vaters, meinen ersten Hals, ohne Stahlstab – ich hatte keine Ahnung, zu was das Ding überhaupt dient. Das ich Linkshänder bin, fiel mir zu Hause vorm Spiegel mit der Gitarre auf: Das sieht ja aus wie bei Jimi Hendrix(!!!) – dessen Musik ich eigentlich kaum kannte (grinst). Das sollte sich ändern, denn ich verfiel durch meine vermeintliche Affinität mit dem Meister in einen rauschhaften Hendrix-Wahn. Heute kaum vorstellbar, aber es gab 1976 in ganz Köln keine Scheibe von Hendrix zu kaufen. Mein Vater hatte eine Metro Karte, und endlich dort gab es eine Compilation, eine Gitarren-Offenbarung. Bis heute ist für mich „Vodoo Chile“, „Stone free“ und das ganze Zeug, das sich Hendrix aus dem Hirn gemolken hat, Maßstab.

Phantom Guitars Necks

AMAZONA.de:
Wie bist Du letztendlich zum Gitarrenbauer geworden, wann wurde Dein Hobby zum Beruf?

Eduard Tüske:
Nach vielen Experimenten machte ich mich mit 23 selbstständig, baute zunächst Gitarren, führte Reparaturen und Modifikationen durch. Ab ca. 1982 kam ein sehr starker Bass-Boom auf, Nobel- und vor allem Headless-Bässe waren absolut angesagt. Die Musikszene wurde von einem schon fast inflationären Geslape erfasst. Um diesen Sound allerdings zu verwirklichen, musste, beziehungsweise muss man solche straff klingenden Bässe nicht aus den gleichen Hölzern wie eine Gitarre bauen.

AMAZONA.de:
Weshalb nicht? Macht doch Gibson auch?

Eduard Tüske:
Richtig, darum klingen sie auch so pappig, ohne Sustain und Obertöne. Für einen modernen Basssound müssen wegen des Obertongehaltes und der sehr trägen Basssaiten härte Hölzer wie Bubinga, Wenge, Amaranth, Bergahorn etc. und natürlich aktive Elektroniken verwendet werden. Ab 1986 baute ich sehr erfolgreich Headless Bässe, drei Jahre später ebbte dieser Boom schlagartig ab und die Kopfplatte zierte wieder die Edelbässe. Ein Irrturm der Geschichte wie ich finde, denn dem Schwingungsverhalten der Bässe tat das Kappen des Headstocks ganz gut.

AMAZONA.de:
Wann ist Phantom Guitars dann entstanden?

Eduard Tüske:
Ab 1996 baute ich erstmals unter dem heutigen Phantom-Logo meine ersten Mephisto Bässe. Der sehr gute Test in Gitarre & Bass bescherte dem Mefi aus dem Stand eine rege Nachfrage. Alles stimmte, die Holzauswahl, die Form, der Sound.

AMAZONA.de:
Was war das Besondere an diesem Bass?

Eduard Tüske:
Eigentlich nicht allzu viel. Er hatte einen Eschekorpus mit Ahornhals und Musicman Pickup. Ich glaube, er passte einfach sehr gut in den Zeitgeist, bis heute baue ich dieses Modell nahezu unverändert.
Als nächstes entwickelte ich auf der Basis des Mephisto den XTC. Ein Bass mit drei Pickups und 3-Band EQ. Die Idee war, in einem einzigen Instrument die drei Klassiker Jazz Bass, Precision Bass und Music Man zu vereinen. Erreicht wurde das durch die exakte Positionierung der Pickups. Dazu fräste ich bei einem Testgerät ein ziemlich großes Loch unter die Saiten und verschob die Pickups auf einer Schiene so lange, bis alle drei Sounds glaubhaft rüber kamen.
Bei einem solchen Experimentiermarathon kann man natürlich leicht die Orientierung verlieren.

Phantom Guitars Paintwork

Deshalb habe ich auch ne ganze Reihe guter Basser die Tonabnehmer mal rumschieben lassen. Das Ergebnis ist ein enorm vielseitiger Bass, vom Rock-Dampfhammer bis zu Fretless ähnlichen Sounds ist alles drin. Entsprechend gut läuft dieses Modell auch.

AMAZONA.de:
Neben Deinen Eigenkreationen bietest Du auch berühmte E-Gitarren Klassiker mit ganz eigenen Raffinessen an, wie z.B. die Slimline, ein Telecastermodell mit dem aktiven EQ. Was reizt Dich an diesen E-Gitarren Überklassikern?

Eduard Tüske:
Ungefähr 2000 fing ich an, mich wieder mit Gitarren zu beschäftigen. Es gibt ein großes Interesse der Gitarristen an klassisch aussehenden Instrumenten, die sich aber wie moderne Gitarren spielen lassen. Also brauch man höhere Bünde, flachere Saitenlage und flexiblere Schaltungen. Ich entwickelte erst eine Tele mit 4-Weg Schalter, dann die Stratus mit brummfreien Single-Coils und hinzu regelbarem Humbucker für fette Rocksounds. Wichtig ist für mich auch, dass das Tremolo wirklich funktioniert, deshalb ist die Stratus mit Locking Mechaniken bestückt.

Phantom Guitars Mounting

AMAZONA.de:
Welcher Klassiker ist Dein persönlicher Favorit?

Eduard Tüske:
Ich selbst spiele gerne Explorer, übrigens mit Fender Mensur (65 cm). Nervig ist nur die ewige Stimmerei, durch die stark umgelenkte Saitenführung am Headstock. Die Lösung: Locking Nut und Feinstimmer in Floyd Rose Manier. Ist super stimmstabil wie eine Gitarre mit Floyd Tremolo, aber halt ohne Trem.

AMAZONA.de:
Baust Du eigentlich auch akustische Gitarren?

Eduard Tüske:
Nein, aber ich habe eine Semi-Akustik ohne F-Löcher entwickelt – die Slimline, die Ihr ja auch schon bei AMAZONA.de getestet habt.

Inspiriert durch die Mitten-Parametrik meiner Fretless-Bässe, verwende ich eine für Gitarre abgestimmte Aktiv-Elektronik. Wenn man daran dreht, kämmt er einmal den ganzen, wichtigen Mittenbereich durch, klingt wie ein einmal durchgedrücktes Wah-Wah Pedal. So reicht die Soundpalette von Mörder-Hi-Gain über funky bis hinzu pelzigen Jazz-Sounds.

AMAZONA.de:
Wie kommen Deine Kunden zu Dir, wie kann man Kontakt mit Dir aufnehmen?

Eduard Tüske:
Die meisten kommen über das Internet. In der Regel schauen sie sich zunächst meine Homepage genau an und haben dann am Telefon meist konkrete Vorstellungen. Also, bei Interesse einfach im Internet mal www.phantom-guitars.de besuchen.

AMAZONA.de:
Ede, vielen Dank für dieses Gespräch und den Einblick in Deine Werkstatt.

Tests auf AMAZONA.de:

PHANTOM Slimline
PHANTOM Stratus

Phantom Guitars Fretwork